Unsere Erfahrungen, wichtige Informationen für zukünftige Gastschüler und deren Eltern
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Wer ein Schuljahr im Ausland verbringen möchte, nimmt meist die Hilfe einer entsprechenden Organisation in Anspruch um von deren Erfahrungen zu profitieren. Für die vermeintliche Sicherheit und Bequemlichkeit ist man bereit relativ hohe Preise zu zahlen. Wir hatten mit einer solchen Organisation leider großes Pech.
Ziel dieser Seite ist es zukünftigen Austauschschülern (ATS) und deren Eltern wichtige Informationen zu geben, die sie sonst wahrscheinlich erst zu spät bekommen. Ich beschreibe hier unsere äußerst schlechten Erfahrungen mit der Organisation DFSR. Sie finden hier Hinweise, zum Vertragsabschluß, die bei der Auswahl einer Austauschorganisation sehr hilfreich sein können. Ich möchte verhindern, daß andere in den selben Schlamassel geraten wie unsere Familie damals. Möglicherweise, wenn die zukünftigen Kunden solcher Organisationen – also Sie vielleicht - schon im Voraus besser Bescheid wissen, werden dann die Verträge auch seriöser und der Service besser. Kleiner Eigennutz - das Schreiben hilft mir beim Adrenalinabbau.
Keine Familie und kein Schüler, jedoch, sollten nach dem Lesen dieses Textes ihre Pläne fallen lassen - am Schluß des Textes gibt es unsere guten Erfahrungen und außerdem einige spezielle Informationen zu Frankreich als Gastland. Jeder Jugendliche, der sich für ein Schuljahr im Ausland entscheidet, tut das wohl auch ein wenig aus Abenteuerlust. Bei uns wurde es ein Abenteuer für die ganze Familie, eines, ganz anders als wir es erwartet hatten. Aber das haben Abenteuer eben so an sich.

Grundlage sind unsere eigenen Erfahrungen, die wir während des Auslandsschuljahres unseres Sohnes, Peter, machten.
Hier die ersten Fakten:

Der folgende Text enthält
  1. einen Überblick in Schlagzeilen
  2. darauf folgend Details zu einigen Schlagzeilen. Unter Punkt (I) werden nur Fakten dargestellt! Unter (II) kann auch mal eine Meinung oder ein Hinweis von mir dabei sein.
  3. die chronologische Beschreibung mit allen Details, für Leute, die sich eine fundierte Meinung bilden wollen. Dieser Teil enthält dann auch meine Meinungen, Interpretationen usw., die sich ergeben aus vielen Telefongesprächen, einer Begegnung mit der 2. Gastfamilie und monatelangem Nachdenken – dem Versuch sich hineinzudenken in die Gastfamilien, in SILC, in Peter, in die Situationen überhaupt.
  4. Wichtige Tips in konzentrierter Form.
  5. Zwei, drei Bemerkungen zu psychischen, organisatorischen Aspekten
  6. Unsere positiven Erfahrungen
  7. Liste der im Text vorkommenden Links
  8. Nachträge und Neuigkeiten. - Die gibt es demnächst auf einer extra Seite.
    Da ich mich nun regelmäßig mit dem Thema beschäftige und über Foren und E-Mail mit anderen meine Erfahrungen austausche, ergibt sich manchmal die Notwendigkeit..

Bevor Sie nun in den Text gehen, ist es vielleicht noch wichtig die Begriffe Gastorganisation und Betreuer bzw. Koordinator zu erklären.
Gastorganisation:
DFSR arbeitet mit ihr entsprechenden Organisationen in den jeweiligen Ländern zusammen, diese nennt man dann Gastorganisation. In unserem Falle war das, die oben erwähnte Organisation, SILC. Diese übernimmt dann die Betreuung des Schülers im Ausland. DFSR selber hat vor Ort keine eigenen Mitarbeiter. Möglicherweise ist das bei anderen Organisationen, die Auslandsschuljahre, Sprachreisen u.ä. organisieren, auch anders.
Betreuer/Koordinator:
Ein Mitarbeiter der Gastorganisation, der vor Ort Kontakt mit dem Schüler und seiner Gastfamilie hält. Er kümmert sich dort um organisatorische Dinge und sollte Ansprechpartner (für Schüler und Familie) im Problemfall sein, hält den Informationsfluß von und zur Gastorganisation aufrecht.

(I) Der Reinfall in Schlagzeilen - was uns mit DFSR passierte

  1. Viel zu später, nicht vertragsgerechter Beginn - Das Schuljahr begann in Frankreich am 1. September, Peter bekam aber erst am 30.Oktober eine Gastfamilie.

  2. Verträge mit Gummiparagraphen in französisch oder englisch.

  3. Desinteressierte und überforderte Gastfamilien - Peter war in 2 Gastfamilien. In der Ersten fand innerhalb der Familie kaum eine Kommunikation statt, Nach 5 Wochen wollte sie ihn wieder los werden. In der zweiten war die Gastmutter mit ihren 5, noch im Haus lebenden, Kindern überfordert - die Großmutter, die sich sonst um alles kümmerte, war vor kurzem gestorben, der Vater war sowieso gegen die Aufnahme eines Gastschülers gewesen - das Auswahl- und Überprüfungsverfahren* für Gastfamilien scheint bei SILC äußerst mangelhaft zu sein.
    (*)Es scheint in der Tat kaum etwas zu existieren, was wirklich so genannt werden kann. Auf jeden Fall bekommen Sie von DFSR so ziemlich jede Familie angeboten, wenn es darum geht, den zahlenden Kunden zu behalten! Diese Erfahrung haben auch andere gemacht.

  4. Starker Kommunikationsmangel zwischen Gastorganisation/Betreuer und Gastschüler/Gastfamilie - Bei der Klärung von Problemen, die ihn betrafen, wurde Peter von der französischen Gastorganisation SILC in Kolonialherrenmanier übergangen, bzw. es fand gar keine Klärung statt.

  5. Bei Problemen keine Unterstützung von DFSR - DFSR wollte oder konnte keinen Einfluß auf die französische Gastorganisation nehmen und hat nicht einmal den Wahrheitsgehalt strittiger Informationen geprüft. Es gilt das Prinzip "Der Gastschüler ist immer im Unrecht"

  6. Neue Gastfamilie 350 km vom Schulort entfernt – Aufgrund von Problemen mußte eine neue Gastfamilie gefunden werden. SILC wollte ihn bei einer Gastfamilie in Valence unterbringen, hunderte Kilometer von seinem damaligen Wohnort entfernt, was natürlich einen erneuten Schulwechsel bedeutet hätte.

  7. Zwischen den Fronten von Mutter und Tochter, die Profis merken nichts?

  8. Psychischer Druck statt Unterstützung - Die Aktivitäten des Betreuers (Koordinators) beschränkten sich auf das Zitieren und Erstellen von Vorschriften und der permanenten Drohung mit Abruch des Programmes.

  9. Koordinator verbietet die PC-Benutzung, schickt aber Anweisungen per E-Mail.

  10. Wunsch nach Wechsel der Gastfamilie führt zur Vertragskündigung - SILC war nicht bereit eine neue Gastfamilie zu suchen (DFSR war wiederum nicht in der Lage oder nicht willens seinem Vertragspartner entsprechende Anweisungen zu geben). Wir erklärten daraufhin, daß wir auch mit jeder anderen Unterkunft einverstanden wären, wenn Peter nur das Schuljahr in Frankreich regulär abschließen könnte. Eine andere Unterkunft (z.B. Untermiete, Wohnheim) zu besorgen war aber DFSR nicht bereit. Als ich das nicht akzeptieren wollte, mit Hinweis auf den Vertrag, und daß Schulbesuch und Gastfamilie nicht zwingend miteinander gekoppelt seien, kündigte mir die Geschäftsführerin den Vertrag gleich am Telefon.

  11. Gastorganisation läßt Peter die Schulbücher wegnehmen.

  12. Desinteressierte, inkompetente Mitarbeiter

  13. Für 10 Monate bezahlt, für 5 "Leistungen" bekommen und kein Geld zurück!


(II) Details zu den „Schlagzeilen"

Hinweis: Wo es paßt habe ich in den Details auch Links auf die Chronologie gesetzt.

Zu (1):

In der Eigenwerbung von DFSR gibt es dazu 2 entsprechende Punkte. In denen wird den Eltern an's Herz gelegt darauf zu achten: „Wann wurde bei den letzten Jahrgängen der letzte Schüler vermittelt?" und „Wurden jemals Schüler nicht zum gewünschten Zeitpunkt platziert?" Nun ja, wir bekamen natürlich immer die Auskunft, daß das bei DFSR immer alles bestens lief. Auch auf dem Vorbereitungstreffen für das Auslandsschuljahr wurde volltönend darauf herumgeritten, daß bisher jeder Schüler vermittelt werden konnte (Ich gebe zu, daß dabei das Wörtchen rechtzeitig nicht fiel. Aber davon geht das Publikum in dieser Situation wohl aus). Unserer Meinung nach, wäre es noch nicht einmal so schlimm, wenn es nicht klappt mit der Vermittlung – das ganze System beruht schließlich auf Freiwilligkeit und wir hätten es akzeptiert, wenn sich keine Gastfamilie finden läßt. Sehr wichtig ist es allerdings, daß man in diesem Falle rechtzeitig und definitiv Bescheid erhält, damit der Schüler diese Nachricht wenigstens erst mal moralisch verdauen, und ohne größeren Zeit- und Lernverlust wieder an seine Heimatschule gehen kann.

Und hier meine Tips zu diesem Punkt:

Im Vertrag sollte der Punkt Programmbeginn (oder wie immer er bei anderen Organisationen, oder in einer anderen Formulierung bei DFSR jetzt heißen mag) einen konkreten Termin enthalten! Lassen Sie sich nicht einreden, daß das nicht geht! Eine Familie, die Ihr Kind am 20. August aufnehmen würde, wird das ohne weiteres auch am 30. August tun. Und nur darum geht es, nämlich das ersteinmal ein reibungsloser Schulanfang gesichert ist. Es ist natürlich von Vorteil, wenn das Kind schon einige Tage vorher bei seiner Gastfamilie sein kann. So gesehen, ist eine Zeitraumangabe als Programmbeginn zu befürworten. Wenn aber ein Zeitraum angegeben wird, dann muß der letztmögliche Zeitpunkt mit dem Beginn des Schuljahres in dem betreffenden Land zusammenfallen. Nun, und wenn in unterschiedlichen Gegenden des Landes das Schuljahr zu verschiedenen Zeiten beginnt, dann muß der Termin eben so liegen, daß alle Gegenden noch möglich sind, oder aber eine konkrete Kombination Örtlichkeit/Termin muß verbindlich im Vertrag enthalten sein.
   >>> Zur Chronologie

Zu (2):
Davon, daß wir überhaupt noch einen separaten Vertrag mit einer französischen Gastorganisation unterzeichnen müssen hatte übrigens nie jemand etwas gesagt! Der Vertrag, den Sie von DFSR bekommen, ist recht spärlich – eine sehr übersichtliche Briefseite, sehr angenehm denkt man da. Leider fehlen darin jede Menge Punkte, die man Ihnen während des Vorbereitungstreffens und der vorhergehenden Gespräche mündlich zusichert! Z.B. das Recht des Gastschülers bzw. der leiblichen Eltern, auch einen Wechsel der Gastfamilie zu verlangen. Die Verträge der Franzosen sind da wesentlich umfangreicher. Den ersten bekamen wir zusammen mit dem Vertrag von DFSR zugeschickt – ca. 20 Seiten zum Ausfüllen + 5 DIN A4-Seiten Reglement auf französisch, dazu lediglich 1 Woche Frist zum Unterzeichnen. Dieser Vertrag war von der Organisation NACEL, die dann aber keine Gastfamilie für Peter finden konnte. So bekamen wir am 30. Juli die Mitteilung von DFSR, das sie seine Unterlagen an eine andere Organisation weitergereicht hatten. Daß auch diese nicht zum Vertragspartner wurde, sondern eine dritte Organisation, nämlich SILC, erfuhren wir erst als er schon 8 Wochen in Frankreich war. Deren Reglement bekamen wir Mitte Dezember so quasi nebenbei mit zugeschickt.

Mit Gummiparagraphen meine ich so etwas:

Von NACEL:

"Toute violation de ces règles ou un mauvais comportement aussi bien dans la famille hôtesse que dans la communauté se traduirait par des sanctions disciplinaires à savoir un renvoi immédiat du jeune dans son pays aux frais des parents et à l'exclusion de tout remboursement."

Von SILC :

"PLEASE NOTE Acceptable behaviour and suitable clothing are expected. In the case of any misbehaviour (for example: theft from the family home or from a shop) or an unpleasant attitude shown by the student, SILC VOYAGES reserves the right to exclude you from the programme at any moment, giving prior warning to your parents or guardians. The costs of sending a student home, of legal proceedings or telephone calls are at your expense or that of your parents, and are expected to be paid soon after arriving back in your country."

"NOTE IMPORTANTE Une bonne conduite et une tenue vestimentaire correcte sont exigées. En cas de mauvaise conduite (par exemple :vol ou larcin dans la famille ou dans une boutique, etc.) ou mauvais esprit caractérisé d'un étudiant, SILC VOYAGES se réserve le droit de procéder à tout moment à votre renvoi, en avisant vos parents ou responsables. Les frais de rapatriement, de justice, de téléphone sont à votre charge ou celle de vos parents qui s'engagent à les régler rapidement après le rapatriement. "

Ich will es mal untersetzen: Im Grunde steht hier also, jede Verletzung der Regeln und jedes schlechte Verhalten kann zum Ausschluß aus dem Programm führen. Als halbwegs braver Bürger mit einem ebenfalls halbwegs braven -und lernwilligem Kind, denkt man sich dabei vielleicht:"Gut wenn Söhnchen/Töchterchen sich dort wirklich radikal ändert, plötzlich ausfallend wird, an alkoholischen Exzessen teilnimmt oder gar Drogen nimmt, dann ist das logisch und völlig in Ordnung, wenn wenn man ihn/sie nach Hause schickt - aber das ist eh' bloß eine theoretische Überlegung." Die Falle lauert hier in der, extremen Spielraum lassenden und juristisch wohl kaum greifbaren Formulierung "schlechtes Verhalten"! Schlechtes Verhalten war in Peters Falle z.B.

Wohlgemerkt, das waren Gründe dafür, daß sich die Gastfamilie bei SILC, SILC bei DFSR und DFSR schließlich bei uns beklagte!! Gründe, die für einen Abbruch des Programmes ausreichten. Die Quintessenz ist, daß "Schlechtes Verhalten" alles Mögliche sein kann, Sachen an die Sie nicht einmal im Traum denken, und daß selbst die kleinste Kleinigkeit bei DFSR zum Abbruch des Programmes führen kann, wenn die Gastfamilie nur genervt ist oder einfach keine Lust mehr hat. zur Reinfalliste


Zu (3):

Das ging soweit, daß die Familie sogar Peters mehrmalige Versuche ihr etwas Weihnachtsgebäck zu schenken vollkommen ignorierte.
Ca. 2 Wochen vor Weihnachten war es dann soweit, Peter mußte über die Weihnachtsferien nach Deutschland zurück. Als die Gastmutter ihn zum Bahnhof brachte, sagte sie ihm zum Abschied: "Wir haben eben nicht zusammen gepaßt". Leider hat sie sich SILC gegenüber nicht so ehrlich geäußert, daß hätte Peter viele Ungerechtigkeiten erspart. Daß sie es nicht getan hat, nährt meine Vermutung, daß eine Gastfamilie, wenn sie denn einmal einen Schüler aufgenommen hat, "handfeste" Gründe vorbringen muß um ihn wieder loszuwerden. Daß die Chemie einfach nicht stimmt, für mich durchaus ein akzeptabler Grund, reicht scheinbar nicht.  zur Reinfalliste


Zu (4) und (5):
Die Kommunikation zwischen Peter, Gastfamilie, Betreuer, SILC und DFSR lief, mit wenigen Ausnahmen, immer nach dem gleichen Schema ab: War die Familie mit etwas nicht zufrieden, so sagte sie dies dem Betreuer (nicht etwa Peter), der Betreuer sagte es seiner Organisation* und von dort oder vom Betreuer direkt gab es dann immer neue Verhaltensregeln, was er darf und was nicht stets verbunden mit der Androhung ihn aus dem Programm zu werfen. Kam die Benachrichtigung aus dem SILC-Hauptquartier, dann als Brief, der gleichzeitig als deutsche Übersetzung an DFSR geschickt wurde. DFSR rief dann bei uns an, und wir dann bei Peter in Frankreich. Bis zu diesem Zeitpunkt wußte er jedesmal noch nichts von den Beschwerden, die gegen ihn vorlagen! Wir waren dann immer die Ersten, die auch mal seine Darstellung zu den Problemen hörten. Danach riefen wir wieder bei DFSR an und erklärten die Sache aus Peters Sicht. Dafür ernteten wir zwar oftmals Verständnis bzw. ein „Aha, so ist das also", aber es scheint als ob DFSR diese Erkenntnisse nie an SILC weitergeleitet hat, denn aus Frankreich kam nie eine Reaktion darauf. Soweit wir das beurteilen können, hat DFSR niemals kritische Fragen an seinen Partner gestellt oder sich in irgendeiner Weise stark gemacht um Peters Interessen zu vertreten.
(*)Ja, so war es tatsächlich. Eigentlich wäre es an dieser Stelle Aufgabe des Betreuers gewesen zu betreuen! - z.B. Rücksprache mit der Familie und mit Peter zu halten, Ursachen und Hintergründe zu erfahren und versuchen zu vermitteln. Außerdem sollte er sich spätestens zu diesem Zeitpunkt mit der Situation in der Familie genauer vertraut machen, um seinem Schützling Tipps geben zu können, wie er dieses und jenes Fettnäpfchen vermeidet usw.   zur Reinfalliste
Strittige Informationen:
Hier geht es um die Internetnutzung, die Kommunikation in der ersten Gastfamilie, die Behauptung, er würde sich immer noch nicht richtig duschen. Den Versuch, mit einer Tochter der zweiten Gastfamilie Deutsch zu lernen.
Internetnutzung:
Gastfamilie/SILC kritisiert „zu viel Internetnutzung" (telefonisch über DFSR). Ich weiß von Peter, daß es sich um 2 Std. pro Wochenende handelt, hauptsächlich für das Lesen und Schreiben von E-Mails.
Kommunikation mit der Gastfamilie:
Man wirft ihm vor, er wäre nicht kommunikativ genug. Aber beim Abendessen, der ziemlich einzigen Gelegenheit, bei der die Familie wochentags die Möglichkeit hat zusammenzukommen, geht niemand auf Peter ein. Die Gespräche werden so geführt, daß er fast nichts versteht, was jedoch deutlich 'rüberkommt, sind Schmähungen der Gastmutter gegen Männer im allgemeinen.
Duschen:
Im Bad wird gebaut, da keine Fliesen auf dem Fußboden sind gibt Peter sich Mühe, nichts naß zu machen. Offenbar mit großem Erfolg, denn wir bekommen die Beschwerde, daß Peter nur so tun würde als dusche er sich, telefonisch und per E-Mail. Der Punkt würde natürlich ebensogut zur, eben beschriebenen "Kommunikation mit der Gastfamilie" passen, denn die Beschwerde wurde nicht etwa von den Gasteltern Peter gegenüber geäußert, sondern ging den, unter Punkt (IV) beschriebenen, großen Weg. Er würde auch noch zu "keine Unterstüzung von DFSR" (Punkt (IV) passen, denn nachdem ich DFSR die bauliche Situation bei der Gastfamilie schilderte, kam dann das bewußte "Ach so ist das", aber diese Sache ist nie wirklich geklärt worden und wir konnten spüren, daß irgendwie ein Makel zurückgeblieben war.
Deutsch lernen:
Für genauere Informationen hierzu und zu den übrigen Punkten siehe Teil III und zu Punkt 7.  zur Reinfalliste

Zu (7):

Die Gastmutter möchte, daß Peter mit ihrer Tochter, Edwina, Deutsch lernt. Peter freut sich, daß er der Gastfamile so etwas zurückgeben kann, nur Edwina selbst fand diese Idee gar nicht gut. Sie sucht alle möglichen Vorwände um dem Deutschüben aus dem Wege zu gehen. Die Mutter ist verärgert, das die Sache nicht funktioniert und beschuldigt Peter immer wieder, daß er nichts tun würde, selbst dann noch, als Edwina ihn mehrmals vor der ganzen Familie hat abblitzen lassen. Peter sucht eine Aussprache mit Mutter und Tochter, aber an der Situation ändert sich nichts: Edwina läßt ihn bei jedem Versuch Deutsch mit ihr zu machen in's Leere laufen, meidet ihn schließlich, wo es nur geht, und die Mutter wirft ihm vor, daß er nichts tut. Unsere ganze Familie hat sich Gedanken darüber gemacht, wie man Edwina das Deutschlernen schmackhaft machen kann, Peter hat sogar seine Deutschlehrerin am Lycée um Rat gefragt. Es hat alles nichts genützt. In mehreren Telefonaten hatte ich DFSR geschildert,was Peter alles versuchte, um mit Edwina Deutsch zu üben und daß er bei ihr auf massive Ablehnung stößt. Es nützte gar nichts, beim jeweils nächsten Telefongespräch bekamen wir wieder denselben Vorwurf zu hören. Es ist für mich einfach unvorstellbar, daß eine Firma, deren Geschäft es ist Schüler im Ausland zu betreuen, sich so auf die Informationen nur einer Seite verläßt. Wir wurden quasi als Lügner abgestempelt.  zur Reinfalliste


Zu (8):
In Situationen, in denen Peter, aber auch die Gastfamilie, Rat und Hilfe für ihr Zusammenleben gebraucht hätten, versagte der Betreuer völlig. Peter gegenüber reagierte er dann stets mit dem Zitieren von Vorschriften, neuen Vorschriften und der Drohung, ihn nachhause zu schicken. Das artete in einen regelrechten Schacher aus: Wöchentlich bis täglich änderte sich die Meinung der Gastorganisation/Familie nach dem Motto:„Wir wissen nicht ob und wie lange wir Peter noch bei uns behalten". Deshalb baten wir, Anfang März schließlich, aus Sorge um seine Gesundheit, um eine neue Gastfamilie.

Zu (9):
Am 26. Dezember, als Peter die Weihnachtsferien auf Bitten von SILC und DFSR bei uns in Deutschland verbrachte, erreichte uns eine E-Mail* des Betreuers/Koordinators in der er ihm die Benutzung des PC's in der neuen Gastfamilie ausdrücklich verbietet. Anfang März dann war dem Herrn Betreuer sogar das Telefonieren (von persönlichen Gesprächen ganz zu schweigen) zu aufwendig und er schrieb eine E-Mail mit Anweisungen, die Peter nur durch Zufall überhaupt erhielt.
(*) In derselben Mail verbietet er noch im Nachhinein, daß Peter seine ausgeliehenen Schulbücher die Ferien über mit nach Deutschland nimmt. Wie soll man das verstehen, er hatte eine Menge Hausaufgaben über die Ferien auf und außerdem selbst für die Bücher unterschrieben. Im Falle eines Verlustes also, würden er bzw. seine leiblichen Eltern dafür haftbar gemacht. zur Reinfalliste

Zu (11):
Einen Tag vor dem Gespräch, in dem uns die Geschäftsführerin kündigte , bat ich um einen neuen Betreuer. Daraufhin änderte SILC über Nacht die Meinung. Hieß es am Vortag noch, die Familie behält Peter bis zu den Ferien und entscheidet sich dann, hieß es nun aufeinmal:" Wir schicken Peter am Wochenende nachhause." Ich sagte der Geschäftsführerin auch, daß ich die Kündigung nicht akzeptiere aber vorerst selbst nach Frankreich fahren werde um für Peter eine Unterkunft zu suchen, damit er das Schuljahr dort beenden kann. Das war am Donnerstag. Als ich am Freitag Abend Peter abholte, hatte die Gastmutter ihm bereits die Schulbücher weggenommen und wollte sie auch mir nicht wiedergeben. Ich kann keine Rechtfertigung dafür sehen. Es waren Leihexemplare der Schule und wie in (9) schon bemerkt, waren Peter bzw. wir dafür haftbar. zur Reinfalliste

Zu (12):
Der um 8 Wochen verspätete Schulbeginn und auch die weiteren Schwierigkeiten liegen sicher zum großen Teil am Desinteresse und der Inkompetenz auf DFSR-Seite. Die für Peter, bei DFSR, zuständige Mitarbeiterin wollte uns zum Beispiel auch Ende September noch vertrösten, ließ Telefontermine platzen und wußte manchmal nicht mal mehr, was sie einige Tage vorher getan hatte (Details in der Chronologie). Peter trug eine feste Spange, wir fragten bei DFSR an, wie die Weiterbehandlungsmöglichkeiten in Frankreich sind – ein wichtiges Kriterium, dafür daß er überhaupt das Auslandsschuljahr machen kann. Niemand wußte es, niemand hatte eine Vorstellung, wo man sich da kundig machen könnte und so blieb es auch.Niemand bei DFSR kannte die Ferienzeiten in Frankreich Das hätte ich für selbstverständlich gehalten, aber sowohl unsere Betreuerin als auch die Geschäftführerin (die sich Ende September Peter's Falles angenommen hatte) wußten nicht, wann genau das Schuljahr in Frankreich beginnt, und das auch beim dritten mal Nachfragen noch nicht. Ich hatte dem nicht soviel Bedeutung beigemessen, leider stellte sich jedoch heraus, daß diese Haltung symptomatisch für DFSR ist.

Zu (13):
Ich gebe es zu, das stimmt nicht ganz. Wir haben 134 Euro für die Heimreise zurückbekommen, soviel war angeblich noch übrig.

(III) Tagebuch und weitere Details

zu Schlagzeile(1):
20.08. – 31.09.05
Wir warten auf die Nachricht wann es losgeht. Viele Telefongespräche, wir werden beruhigt und vertrösted. Ende September telefoniere ich mit der Geschäftsführerin. Sie sagt, sie war schon erstaunt, dass wir so lange Geduld hatten – aha, was heißt das nun!?
In der 1. Oktoberwoche sagte ich schließlich am Telefon, daß wir mehr als 6 Wochen Unterrichtsverlust nicht in Kauf nehmen wollen und daß, falls Peter nicht spätestens am 10.10.05 in Frankreich mit dem Unterricht beginnen kann, wir von dem Vertrag zurücktreten. Plötzlich ging alles sehr schnell. Von DFSR wurde uns der Vorschlag unterbreitet, Peter vom 10.-28.10. zu einen Sprachlehrgang nach Montpellier zu schicken, dort wird eine Gastfamilie bezahlt und ab 29.10. hätte er dann seine richtige Gastfamilie in Lorrez-le-Bocage. Nach einem Tag Bedenkzeit stimmten wir zu.
(Respekt vor meinem Sohn, diese Entscheidung war wirklich nicht leicht. Versuchen Sie sich das mal vorzustellen: 6 Wochen lang wie ein Sprinter in den Start löchern zu hocken, auf's äußerste gespannt auf den Startschuß zu warten, dabei zu sehen wie einem die Zeit davonläuft und die Pläne und Hoffnungen zerrinnen, andererseits aber auch nochmal die Möglichkeit zu haben dem Unbekannten aus dem Weg zu gehen und der Bequemlichkeit nachzugeben.)
Unsere Überlegung war folgende:
Da in in dem Département Seine-et-Marne, in dem er dann zur Schule gehen sollte, vom 17.-29.10. Ferien waren, hätte er somit 6 Wochen Unterricht verpaßt. Unserer Meinung nach war es möglich, den verpaßten Lehrstoff nachzuholen, wenn er nur im Französischen noch mal richtig fit gemacht wird bevor er dort in das Schuljahr einsteigt. In dieser verfahrenen Situation, war der Vorschlag das beste, was man machen konnte. Meiner Einschätzung nach, hätte er dann etwa bis zu den Weihnachtsferien sehr intensiv arbeiten müssen um den verpaßten Lehrstoff nachzuholen.
Das waren sozusagen die rein technischen Überlegungen, es spielen natürlich noch ganz andere Dinge mit hinein. Fast ein Jahr lang haben sich Peter und wir eingestimmt auf dieses Auslandsjahr, das läßt man dann nicht so leicht einfach sausen - das weiß man bei DFSR natürlich auch.
Wie wir dann feststellen mußten als Peter in Montpellier war, handelte es sich aber gar nicht um einen 3-wöchigen Intensivlehrgang sondern um 3 einwöchige Lehrgänge, die nicht aufeinander abgestimmt waren, in Klassen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen! Nun ja, es hat trotzdem geholfen. Eine Sache ist auch noch sehr erwähnenswert. Ich hatte in dem Telefongespräch in dem von DFSR dieser Vorschlag kam irgend etwas in der Art gesagt, daß Peter dann ja noch mal ganz schön weit reisen muß ehe er zu seiner endgültigen Gastfamilie gelangt. Das hatte die Geschäftsführerin mißverstanden, sie schwenkte sofort um, und meinte in Paris würde es natürlich auch gehen. Sehr bemerkenswert ist das deshalb, weil DFSR bei allen Gelegenheiten wortreich begründete, daß sie die Gastschüler aus Sicherheitsgründen in kleineren Städten oder auf dem Land unterbringt. Eine Ansicht, der wir zustimmten, und nun konnte es auf einmal sogar Paris sein! Leider hatte ich auch dieser Sache nicht so viel Bedeutung beigemessen. Hätte ich es mal, so wie im normalen täglichen Geschäftsleben, nur getan - einer Firma, die so schnell ihre Prinzipien über Bord wirft sollte man mißtrauen. zur Inhaltsliste
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... wird bei Interesse Ihrerseits fortgesetzt. Aber jetzt erstmal die Tips und Links.



(IV) Wichtige Tips  zur Inhaltsliste

Allgemeine Tips zur Vorbereitung auf ein Auslandsschuljahr gibt es zum einen auf den Webseiten der Austauschorganisationen. Zum anderen dann von der konkret ausgewählten Organisation im Laufe von Telefongesprächen, persönlichen Gesprächen oder in Briefform. Auch von DFSR gab es, vor allem während eines Vorbereitungstreffens (das findet statt, wenn man schon bezahlt hat), wirklich nützliche Hinweise. Meine Tips hier beziehen sich deshalb hauptsächlich auf den Umgang mit, respektive die Auswahl, der Gastorganisation und hier vor allem auf den Vertrag. Er entscheidet darüber, ob Sie und Ihr Kind, während des Auslandsaufenthaltes, gewisse Rechte und Einflußmöglichkeiten haben oder ob Sie nur danebenstehen und alles hinnehmen müssen.

Man kann am Vertrag recht deutlich sehen wie gut die Organisation ist. Damit meine ich erstens den Vertrag in seiner Standardform, also so wie ihn die Organisation erstmal an jeden herausgibt und zweitens welche mündlichen Zusicherungen Ihnen die Organisation macht und dann auch als Zusätze (Nebenabsprachen) schriftlich (erst dann sind sie was wert!!) im Vertrag zu Verankern bereit ist. Hieraus leitet sich unmittelbar der Tip ab, sich bei mehreren Organisationen zu bewerben, deren Verträge zu Vergleichen (Preise vergleichen kann man ja schon vor der Bewerbung) und sehen, welche einen seriösen Vertrag anbietet.

Im Vertrag sollte der Punkt Programmbeginn oder wie immer es heißen mag, einen konkreten Termin enthalten! Lassen Sie sich nicht einreden, daß das nicht geht! Eine Familie, die Ihr Kind am 20. August aufnehmen würde, wird das ohne weiteres auch am 30. August tun. Und nur darum geht es, nämlich das ersteinmal ein reibungsloser Schulanfang gesichert ist. Es ist natürlich von Vorteil, wenn das Kind schon einige Tage vorher bei seiner Gastfamilie sein kann. So gesehen, ist eine Zeitraumangabe als Programmbeginn zu befürworten. Wenn aber ein Zeitraum angegeben wird, dann muß der letztmögliche Zeitpunkt mit dem Beginn des Schuljahres in dem betreffenden Land zusammenfallen. Nun, und wenn in unterschiedlichen Gegenden des Landes das Schuljahr zu verschiedenen Zeiten beginnt, dann muß der Termin eben so liegen, daß alle Gegenden noch möglich sind, oder aber eine konkrete Kombination Örtlichkeit/Termin muß verbindlich im Vertrag enthalten sein.

Stellt die Organisation Ihnen die Verträge der Partnerorganisationen zur Verfügung, und zwar schon in der Suchphase, wenn Sie sich noch nicht entschieden haben? Sind die Verträge auf Deutsch, bzw. gibt es eine rechtlich verbindliche deutsche Übersetzung?

Was ist wenn Ihr Kind die Gastfamilie wechseln möchte, und das vielleicht noch ein 2.- und ein 3.mal? Von DFSR z.B. wurde uns dieses Recht durchaus zugesichert, aber eben nur mündlich. Das Recht auf Wechsel der Gastfamilie muß fest im Vertrag verankert sein und zwar derart, daß er möglich ist, ohne der Gastfamilie etwas "anzuhängen" oder nachweisen zu müssen. Wenn sich Ihr Kind dort absolut unwohl fühlt, sollte daß ein ausreichender Grund sein.

Einen Passus "Schlechtes Verhalten" würde ich nicht mehr akzeptieren! Auf eine ausländische Austauschorganisation hat man natürlich nur indirekten Einfluß, aber der Vertrag mit dem deutschen Anbieter sollte lieber 3 Seiten lang konkret auflisten, welches Verhalten zur Kündigung durch ihn, oder seine Subunternehmer führen kann. Im Gegenzug sollte Ihr Recht auf Kündigung enthalten sein sowie die entsprechenden konkreten Bedingungen dafür. (Leider wird es im Streitfall der Gastschüler schwer haben etwas zu beweisen, wenn Gastfamilie oder Gastorganisation etwas anderes behaupten.) Aber z.B. ist es nicht jedermanns Sache durch viele Gastfamilien zu tingeln, hier wäre ein Kündigungsrecht nach dem zweiten oder dritten Gastfamilienwechsel eine Möglichkeit - wohlgemerkt Ihr Kündigungsrecht, nicht das der Organisation.

Pflichten der Gastorganisation/des Betreuers, sollten im Vertrag enthalten sein (war bei uns nicht der Fall). Da dies aber ein relativ wirkungsloser Tip ist, präzisiere ich ihn nicht weiter - wenn sich die Organisation im Ausland an irgendeinen Vertragspunkt nicht hält, hat man als einziges Druckmittel wohl nur die Kündigung, was man wohl kaum so schnell nutzen wird. Allerdings sollte schon Ihr kurzfristiges Kündigungsrecht bei Vertragsverletzungen durch die anderen Parteien vertraglich festgehalten sein. Wenn es doch so schlimm kommt, erspart so ein Paragraph einigen Ärger und hat man die anderen Tips umgesetzt, bekommt man so auch sein Geld zurück.
Gibt es in dem Vertrag der Gastorganisation ein Besuchsverbot? Ich empfehle, das nicht zu akzeptieren. Jedenfalls nicht in einer so rigorosen Form wie es im Reglement von SILC der Fall ist:
It is strictly forbidden to:
  • change family, school, boarding school or programme
  • ..
  • ..
  • receive visits from your natural family during your stay in France, or visit members of your family or friends residing in France or elsewhere in Europe
Il vous est strictement interdit de :
  • changer de famille, d'école, d’internat ou de programme comme vous le désirez,
  • ..
  • ..
  • recevoir la visite de votre famille naturelle pendant votre séjour en France, ou aller rendre visite à des membres de votre famille ou à des amis résidant en France ou en Europe.
Sollte es irgendwann mal Probleme geben, die man am Telefon einfach nicht geklärt bekommt o.ä., könnte es eine gute Idee sein, hinzufahren und das Problem an Ort und Stelle, mit allen Parteien an einem Tisch, mündlich zu klären. In diesem Falle ist die Beziehung zwischen Ihnen und der Gastorganisation wahrscheinlich sowieso schon etwas gespannt. Nun würden man durch den bloßen Versuch einer gütlichen persönlichen Klärung den Vorwand für die Kündigung liefern.

Nebenabreden zum Vertrag schriftlich fixieren!! Achtung! Wenn Sie den netten Mitarbeiter fragen: „Was wäre denn wenn ...", und der sagt: „Na, das ist doch kein Problem. Das machen wir so und so...", dann wäre das schon eine Nebenabrede oder eben ein Vertragspunkt den Sie sich schriftlich geben lassen sollten! Eine seriöse Organisation wird das sicher tun.

Der Preis für das Auslandsschuljahr sollte aufgeschlüsselt sein und eine Rückzahlung für nicht in Anspruch genommene Leistungen vereinbart werden - noch besser wäre die Vereinbarung einer monatlichen Zahlungsweise. Die Aufschlüsselung sollte z.B. Einzelpreise enthalten für das Bewerbungsverfahren, die Beschaffung der Gastfamilie, die Reisekosten, die Anmeldung an der Schule, das Schulgeld, das Schulessen, evtl. Fahrtkosten für Schulbus (in Frankreich kostenfrei) o.ä., evtl. weitere Behördengänge, die täglichen Kosten für den Betreuer vor Ort, das 24-Stunden Notfalltelefon.

Den Vertragstext wirklich streng auslegen, sich nicht davon täuschen lassen, daß die Mitarbeiter der Firma ja alle so verständnisvoll und, scheinbar, so erfahren sind! Ein Problem beim Bewerten des Vertragtextes ist wahrscheinlich, daß man ihn interpretiert. Man liest ihn und hat dabei, ohne daß es einem bewußt ist, die vorangegangenen, guten Gespräche mit der Organisation im Hinterkopf und sowieso all das, was man für logisch und vernünftig hält. So kann es dann kommen, daß man übersieht, daß wichtige Vertragspunkte gar nicht schriftlich aufgeführt sind oder aber auch ganz anders ausgelegt werden können.

Versicherungen: Ob eine Auslandskrankenversicherung notwendig ist, sollte man bei seiner Krankenkasse erfragen. Für Frankreich ist sie nich nötig. Es gibt jedoch Zusatzversicherungen, die die den Differenzbetrag zwischen den Leistungen der deutschen- und der ausländischen Krankenkasse erstatten. Man sollte auch prüfen, ob und wie weit die Haftpflichtversicherung greift. Besonders für die USA dürfte das interessant sein, wo Schadenersatzforderungen schnell gigantische Höhen erreichen können.

Telefonieren: Rund um Handys kenne ich mich nicht gut aus. Ich weiß nur, daß mein Prepaid trotz gegenteiliger Auskunft meiner e-plus-Filiale, in Frankreich nicht aufzuladen ging, und daß das Telefonieren über Handy wahrscheinlich enorm in's Geld geht. Wir hatten eine Campus-Card der BlueBell Telecom AG genommen, da sind die Telefongebühren relativ moderat und man kann jeden Festnetzanschluß benutzen, ohne daß man im Augenblick Geld benötigt. Das funktioniert so, daß man eine persönliche "Vorwahlnummer" bekommt, anhand derer die Kosten einem Konto zugeordnet werden. Die Abrechnung geschieht monatlich und könnte dann bequem von den Eltern in Deutschland bezahlt werden. D.h. man verursacht keine Telefongebühren für die Gastfamilie, kann aber auch von jeder Telefonzelle aus telefonieren, ohne daß man Geld benötigt. Mittlerweile gibt es von BlueBell wohl auch Angebote für mobiles Telefonieren

Im Vorbereitungstreffen wurde seitens DFSR angesprochen, daß in den USA die ATS häufig weit ab vom Schuß wohnen - das Haus der Gastfamilie irgendwo ziemlich einsam steht und man ohne Auto faktisch nichts unternehmen kann. Das hätte zur Folge, daß man dort ziemlich "aufeinander hängt" und der ATS absolut davon abhängig ist, daß ihn ein Mitglied der Gastfamilie fährt, wenn er sich mit Schulfreunden treffen oder sonst etwas unternehmen will.
Daß das in Frankreich (und wahrscheinlich in allen anderen Ländern) ebenso der Fall ist, wurde allerdings nicht erwähnt. Dabei ist dieser Punkt ziemlich wichtig, wie auch DFSR bekundete, indem es ihn eigens deutlich ansprach. Durch die Betonung auf USA aber wurde im Gegenteil der Eindruck erweckt, daß es nur in den USA so sei. Dabei ist es eine Folge der Strategie von DFSR die Schüler möglichst in kleineren Orten unterzubringen. Das weitere ergibt sich automatisch und ist gar nicht an so große Länder mit ihren riesigen Entfernungen gebunden. In Peters Fall sah es so aus:
Lycée in Montereau, einer Stadt mit ca. zwanzigtausend Einwohnern; Einzugsbereich des Lycées sind alle Dörfer im Umkreis von ca. 25 km; Nahverkehr existiert kaum.
Die Strategie, kleinere Orte auszuwählen, finden wir nicht schlecht (wie bereits gesagt) kann aber eingangs beschriebene Auswirkungen haben und jedermanns Geschmack ist das nicht. Wer also an den Wochenenden und evtl. auch mal nach dem Unterricht die Möglichkeit braucht, sich mit Freunden zu treffen, sollte als Kriterium für die gewünschte Gastfamilie angeben, daß sie im Schulort wohnt. Der Ort sollte auch nicht zu winzig sein - Montereau mit seinen 20-tausend Einwohnern ginge schon. Da hat man eine reelle Chance, daß ein paar Freunde im Ort wohnen und man sie auch aus eigener Kraft erreichen kann.

..und noch 2 Hinweise

Wem die Gastfamilie nicht die Hauptsache am Auslandsaufenthalt ist sondern z.B. eher das Ausland überhaupt, der Kontakt mit anderen Jugendlichen, das Interesse, die fremde Sprache und ein anderes Schulsystem kennenzulernen, sollte versuchen die Unterbringung im Internat als Alternative zur Gastfamilie in den Vertrag mit aufzunehmen - Peter hatte in der Schule viele Freunde in verschiedenen Klassen und ein gutes Verhältniss zu allen Lehrern, für ihn wäre das sicher eine gute Lösung gewesen. SILC z.B. bietet laut seinem Reglement auch die Unterbringung in Internaten an. So etwas zu vereinbaren, müßte also eigentlich gehen.
Finanzielle Unterstützung zum Auslandschuljahr gibt es von verschiedenen Organisationen. Eine ist z.B. das Parlamentarische Patenschaftsprogramm des deutschen Bundestages (PPP) (für USA). Eine andere, die Stiftung Genshagen, deren Stipendienprogramm "Voltaire" (Frankreich) wirklich auf dem Austauschprinzip beruht. Um solche Stipendien sollte man sich rechtzeitig kümmern, denn die Anzahl der zu vergebenden Stipendien ist natürlich begrenzt. Außerdem sind sie an gute Zensuren gebunden und manche auch an einen Nachweis, daß man die Unterstützung benötigt. Überhaupt sollte man sich rechtzeitig um das Auslandsschuljahr kümmern - ca. ein knappes Jahr vorher. Nach der Möglichkeit an Stipendien zu gelangen, sollte man ruhig auch mal die Organisationen, bei denen man sich bewerben will, fragen. Vielleicht eröffnen sich da ja noch Chancen, an die man noch nicht gedacht hat. Auf jeden Fall kann man aus der Antwort weitere Rückschlüsse auf die Seriosität der Organisation ziehen.  zur Inhaltsliste

Nachbemerkung zu den Tips

Die Schüler, die es so schlecht erwischen, sind statistisch gesehen natürlich in der Minderzahl, aber wer möchte sich schon nur auf Glück und Zufall verlasssen, wenn er für mehrere Monate in's Ausland fährt. Ob aber das Auslandsschuljahr ein Erfolg wird oder zum Trauma, steht und fällt mit der Gastfamilie und da ist DFSR eher ein zweifelhafter Anbieter. Allerdings vermitteln offenbar auch andere Organisationen ungeeignete Gastfamilien. Interessante Informationen hierzu gibt es auf den Seiten von Stiftung Warentest und schon eher gruselige bei Spiegel-Online.
Vor allem Letztere machen deutlich, daß es gar nichts zu sagen hat, wenn eine Austauschorganisation in einem Dachverband ist, womit sie so gerne werben. Das macht sich gut als Werbung - fertig. In diesen Verbänden bewerten sich die Organisationen gegensseitig. Deshalb ist von dorther wohl kaum mit echter und wirksamer Kritik, im Sinne der Kunden, zu rechnen.
Die folgenden drei Sätze möchte ich als meine persönliche Überlegung verstanden wissen: "Eine Dachorganisation ist u.a. dafür da, um einen gewissen Interessensausgleich zwischen den einzelnen Mitgliedern zu gewährleisten. Sprich alle passen auf jeden auf, daß er sich keiner ein zu großes Stück vom Kuchen abschneidet. Insofern ist so ein Dachverband evtl. gar nicht so gut für die Kunden, weil es eher um die Sicherung des Geschäfts als um eine Qualitätssicherung gehen dürfte."
Der Dachverband FIYTO jedenfalls, in dem auch DFSR Mitglied ist, hatte auf unsere briefliche Bitte um Rat überhaupt nicht reagiert. Wenn man sich die Richtlinien dieser Verbände ansieht, wird einem auch schnell klar warum. Dort stehen eigentlich nur Dinge drin, die selbstverständlich sein sollten. Für Probleme der Kunden mit einer Mitgliedsorganisation, ist darin nichts vorgesehen.
Es gibt keine unabhängige und unparteiliche, qualitätssichernde Instanz auf dem Sektor Austauschschuljahr! Jeder Reisebürourlauber hat mehr Rechte als ein Schüler in einem Austauschschuljahr. Und damit meine ich praxistaugliche, wirklich durchsetzbare Rechte. Das ist die derzeitige Situation, trotzdem werden ca. 95% der Austauschschuljahre zu einem tollen Erfolg. In dem Bewußtsein, daß man auch unter das unglückliche Zwanzigstel fallen kann, sollte man diese Situation aber nicht als gegeben und unveränderlich hinnehmen.

Es ist mir klar, daß einige von den Tips nur schwer umzusetzen sind. Man sollte es aber auf jeden Fall versuchen. Vielleicht klappt ja einiges, und wenn es nicht sofort wirkt, so hilft es Ihren Nachfolgern eventuell schon dem zweiten Sprößling der Familie. Hier wiederhole ich, was ich in der Einleitung bereits sagte - wenn nur genügend Kunden bessere Verträge fordern und die Organisationen nach diesem Kriterium aussuchen - dann werden sich die Bedingungen auch bessern. Wer die Möglichkeit hat, sollte die Verträge von einem Anwalt prüfen lassen.

Sehr schön wäre es auch, wenn ein Anwalt, mit entsprechender Spezialisierung, sich hier für alle zukünftigen Ausstauschschüler einsetzten könnte und seinen qualifizierten Kommentar zu meinen Tips abgäbe (per E-Mail) Ich würde die Kommentare auf dieser Seite verarbeiten oder, je nach Wunsch, unverarbeitet widergeben sowie mit oder ohne Angabe des Autors.

Fazit

Wenn irgend möglich, das Auslandsschuljahr privat organisieren! Quartier bei guten Freunden oder Verwandten machen, wäre sicher die beste Lösung. Man könnte aber auch zuverlässige Bekannte fragen denen man evtl. die zusätzlichen Kosten bezahlt. Hat man niemanden, der es sich zutraut für 5 oder 10 Monate ein neues Familienmitglied aufzunehmen, gäbe es noch die Variante, daß der Schüler wochentags in's Internat geht, und die Wochenenden und die Ferien bei den ausländischen Freunden verbringt.
Eine sehr gute, gleichwertige, Möglichkeit sind wirkliche Austauschprogramme wie "Voltaire".



Psychologische- und allgemeine
    Bemerkungen, die ich mir nicht verkneifen kann.

Meiner Meinung nach sollte man die Möglichkeit, daß die Organisation keine Gastfamilie findet in seine Planung einbeziehen. Klar, möchte man das nicht und man kann diesen Gedanken ruhig in die hinterste Ecke seines Gehirns stellen, aber man sollte die Variante mal durchgespielt haben, um nicht in ein bodenloses Motivationsloch zu fallen, falls es dann tatsächlich so ist. Für den Aufenthalt bei Freunden oder Verwandten gilt sinngemäß dasselbe. Krankheit oder berufliche Veränderungen könnten ein Grund sein, warum es plötzlich nicht mehr klappt.
Auch wenn man bei Freunden, Verwandten, Bekannten wohnt, kann es zu Konflikten kommen. Jemanden für 5- oder 10 Monate bei sich aufzunehmen ist schließlich etwas ganz anderes, als beispielsweise ein Urlaubsbesuch von einer Woche. Ich denke allerdings, daß die Bereitschaft den Konflikt unter sich zu lösen hier i.A. wesentlich größer ist als in einer Gastfamilie. Außerdem hat man mehr Möglichkeiten dazu. Trotzdem sollte man mal verschiedene Möglichkeiten im Geiste und im Gespräch (natürlich auch mit den potentiellen Gastgebern) durchspielen. Man könnte z.B. Vorsorge treffen für Fälle, wo es mit einer Aussprache und gegenseitiger Anpassung des Verhaltens im Moment einfach nicht getan ist. Für so einen Krisenfall könnte man einen Modus ausmachen, wie man sich in der Wohnung etwas aus dem Weg gehen kann bis dahin, daß der Gast mal für eine Weile außerhalb wohnt (Ein gemeinsames Abendessen vielleicht, und ein, zwei Telefongespräche täglich sollten natürlich noch drin sein). Dieses Beispiel soll nur als Anregung, als Ausgangspunkt, für Ihre eigenen Überlegungen dienen. Auf jeden Fall dürften bei der privaten Organisation des Auslandsschuljahres auch größere Schwierigkeiten beherrschbar sein, zumal der heiße Draht zu den Eltern nach Hause ja für beide Parteien jederzeit zur Verfügung steht (und in dieser Form gibt es den eben bei einer kommerziellen Organisation nicht, egal was die auch erzählen).
Selbst mit einem guten Anwalt kann man, bei entsprechend schlechten Verträgen, sicher nicht verhindern, daß eine ausländische Austauschorganisation das Programm für beendet erklärt. Sich aber hinterher gerichtlich zu streiten, würde ich nicht einmal als Schadensbegrenzung bezeichnen. Das Gericht stellt vielleicht fest, daß der Rauswurf des Schülers unrecht war und man bekommt entsprechend Geld zurück, aber das Schuljahr ist für ihn gelaufen.Wie er das psychisch verkraftet kann ganz unterschiedlich sein und hängt sicher auch davon ab, was er sich für dieses Auslandsjahr vorgenommen hatte (und wie seine Familie damit umgeht). Für den Schulbesuch in Deutschland kann es verschiedene Auswirkungen haben, die Varianten spiele ich hier mal kurz durch (galt für Sachsen-Anhalt im Schuljahr 2005/2006; in Zukunft bzw. in anderen Bundesländern könnte es auch andere Vorgaben geben):

1. Schüler fährt ein halbes Schuljahr:
In dem Fall sind die Noten, die der Schüler im Ausland bekommt eigentlich egal. Das 2. Schulhalbjahr lernt er wieder an seiner Heimatschule und nur die Noten dort sind relevant für die Versetzung. Wenn das Austauschprogramm vorfristig abgebrochen wird, sollte es eigentlich kein Problem sein auch eher wieder an die Heimatschule zu gehen (vorher fragen schadet aber nichts, muß schließlich alles genehmigt werden).

2. Schüler fährt ein ganzes Schuljahr, will das Schuljahr aber in Deutschland wiederholen:
Wenn der vorzeitige Abbruch des Programmes noch im ersten Schulhalbjahr erfolgt, hätte der Schüler sogar die Möglichkeit in das laufende Schuljahr in Deutschland wieder einzusteigen, das ist faktisch wie in Punkt (1) (auch hier gilt: vorher mal nachfragen). Ansonsten läuft der Schulbesuch in der Heimat weiter wie geplant.

3. Schüler fährt ein ganzes Schuljahr und möchte versetzt werden:
Dazu muß er in einem gesellschaftswissenschaftlichen Fach, in Mathematik, einer Naturwissenschaft, einer Fremdsprache und der Landessprache mindestens die Note 4 erreichen. Abbruch des Programmes im ersten Schulhalbjahr wäre eigentlich dasselbe wie unter Punkt (2) bzw. (1). Bei einem Abbruch des Programmes im zweiten Schulhalbjahr stehen die Chancen allerdings schlecht. Ich weiß nicht, ob es theoretisch möglich wäre, mal angenommen 3 Monate vor Schuljahresende, vom Schulamt eine Genehmigung für die Fortsetzung des Schulbesuches an der Heimatschule zu bekommen. Es ist allerdings sowieso sehr fraglich, ob der Schüler dann noch die nötigen Zensuren erringen kann, um versetzt zu werden - die Lehrstoffe sind doch sehr, unterschiedlich, selbst in den Naturwissenschaften.  zur Inhaltsliste

Am Mittwoch, den 8. März 2006 war der Stand der Dinge also folgender: Vormittags hieß es noch Peter bleibt bis zu den Ferien in seiner Gastfamilie und dann sieht man weiter. Nachmittags erhielten wir eine E-Mail, daß Peter am Sonnabend nach Hause geschickt werden soll. Ein verantwortlicher DFSR-Mitarbeiter war nicht mehr erreichbar.
So erstellte ich in aller Eile eine Liste, welche Dinge ein Vater und sein Sohn für 4 Monate Frankreich benötigen, packte die Sachen zusammen, surfte im Internet nach Hotels und Ferienwohnungen in der Nähe von Montereau, druckte mir bei Yahoo eine Route aus und schaffte es sogar noch etwas zu schlafen. Am 9. März frühs, nach einem letzten Telefonat mit der Geschäftsführerin von DFSR, in dem klar wurde, daß absolut nichts mehr zu retten war, verabschiedete ich mich von Eltern, Frau und Kind und fuhr los nach Frankreich, Châtenay-sur-Seine.
Der Empfang bei der Gastfamilie war recht peinlich, nach einem "Bon jour" stellte sich die Gastmutter vor mich hin und began, wie ein Schulmädchen ein Gedicht, irgendetwas herunterzuspulen (auf Französisch natürlich und sie wußte, das ich das kaum verstehe) Einen Satz konnte ich dann aber mal verstehen und da wurde mir klar, daß sie eine Liste aller Sünden meines Sohnes aufsagte. Das war die ganze Kommunikation mit der Mutter. Der Gastvater vertrieb mich dann noch vom Grundstück, so daß Peter seine schweren Sachen, im strömenden Regen, eben noch 70 Meter weiter tragen mußte. Ich konnte ihm leider nicht dabei helfen, weil ich eine Fußverletzung hatte - na was soll's, wir waren froh, daß die Abholaktion geklappt hatte. Wir fuhren ein Stück weiter bis Provins zu einem Formel-1-Hotel aus meiner Liste und buchten dort für die nächsten 2 Nächte. Von da an lief alles wie am Schnürchen. Über's Wochenende gelang es uns eine der, in diesem Departement sehr raren, Ferienwohnungen (Gîte heißen die in Frankreich) zu mieten.

Unsere Wohnung inmitten der grünen (Agrar-)Hölle
südöstlich von Paris
Ich mietete vorsichtshalber gleichmal für 5 Wochen, das brachte uns einen Rabatt von 40 % ein - auf etwas in der Größenordnung hatte ich auch gehofft - das machte dann ca. 140 Euro/Woche statt der sonst fälligen 230 Euro. Montag und Dienstag der folgenden Woche hatte ich in Montereau einen Termin mit der Direktorin des Lycée "André Malraux". Peter und ich, wir waren extrem gespannt. Ich hatte mich gut vorbereitet, mein Anliegen vorzutragen, zu argumentieren, und mich evtl. auch an weitere staatliche Stellen zu wenden. Zwar wußte ich, daß man als EU-Bürger das Recht auf freie Wohnortwahl in der Europäischen Union hat womit dann ja auch der Schulbesuch der Kinder am Wohnort verknüpft ist, aber man weiß ja nie, welche Schwierigkeiten man, in der Realität, vor Ort antrifft. Eine quälende Vorstellung für mich war z.B., daß irgendwer aus der Schulleitung private Verbindungen zu SILC hatte. Alle Sorgen waren aber unnötig. Die Direktorin sagte mir, es sei gerade Lehrerkonferenz gewesen - Peters Leistungen seien sehr gut, er ist bei den Schülern des Lycée beliebt und die Lehrer wünschten sich mehr Schüler von seiner Sorte. Die Querelen mit SILC interessiere sie unter diesen Umständen nicht, sie lege aber Wert darauf, zu betonen, daß das Lycée für diese Probleme keine Verantwortung trifft. Allerdings sei es für sie unvorstellbar, daß Peter die restliche Zeit hier alleine verbringt, ein Erziehungsberechtigter müsse schon schnell erreichbar sein. Nun, damit hatte ich schon gerechnet. Alleine lassen wollten wir unseren Sohn sowieso nicht. Eine Zeit lang stand mal ein Internatsplatz vom Lycée in Aussicht, aber nun war doch keiner frei. Deshalb entschied ich mich, bis zum Ende des Schuljahres in Frankreich zu bleiben. Das stellte kein Problem für uns dar da ich schon längere Zeit Angestellter der größten Firma Deutschlands war aber auch bei dieser, wegen ihrem offensichtlichen Mißmanagement schon gekündigt hatte. Auf den Verdienst aus den 1 - 2 Privataufträgen die ich im Vierteljahr so ungefähr bekam, konnte ich ganz gut verzichten. Der reicht eh noch nicht mal um standesgemäß unter einer Brücke zu wohnen. Zum Glück haben wir noch ein Familienmitglied, welches so viel Geld verdient, daß wir uns sogar diesen Extrateil der Abenteuersprachreise à la DFSR leisten konnten.
Und so konnte der Alltag beginnen. Es war schon spannend, so als kleinstmögliche Minifamilie einen Haushalt in einem fremden Land aufzumachen. Wir erkundeten die neue Umgebung (naja, Landwirtschaft soweit das Auge reichte, und es reichte weit) wurden zu eifrigen Flohmarktgängern und lernten beim Boules-Spielen gleich mehrere Schulklassen kennen. Angelegentlich der ersten großen Wäsche lernte ich unsere Vermieterin näher kennen, denn die Waschmaschine war anfangs etwas bockig und wir wischten gemeinsam das Bad aus. Dabei ließ ich mir die Gelegenheit zum Sprachtraining nicht entgehen.

Bei der Bedienung des Kamins waren wir noch nicht perfekt.
Fleißige Holzsammler wurden wir auch, denn unsere Gîte hatte einen hübschen Kamin - klar konnte man auch elektrisch heizen, aber so war es viel schöner. Für die Inliner die Papa von zuhause mitgebracht hatte, fanden wir auch immer eine Fleckchen, aber eine Skaterparadies ist die Gegend nicht wirklich. Immerhin konnten wir damit gut zur Kaufhalle rollen.
In der Schule lief weiterhin alles sehr gut - leistungsmäßig war Peter einer der Besten - er machte im Kletterclub der Schule mit, und soweit ich das sehen und fühlen konnte, war er wirklich gut aufgenommen bei seinen Mitschülern. Natürlich war er mit seinen Freunden in Paris, zu Geburtstagsfeiern und im Kino - zu letzterem wurde ich von ihnen gleich mit eingeladen und bekam sogar eine Freikarte. 3 Monate vergingen wie im Fluge und schon war das Schuljahr zu Ende. Peter erhielt ein sehr gutes Zeugniss und hatte damit sein Ziel, versetzt zu werden, erreicht. Am 5. Juni begannen wir unsere Rückfahrt nach Hause. Wir nahmen uns Zeit und legten unterwegs, in Saussois und in Waldeck, zwei Klettertage ein - wir wollten uns langsam aus unserer neuen Heimat verabschieden.
Seit wir wieder zu Hause sind, fällt uns an Peter immer wieder auf, daß er viel selbstständiger, zielstrebiger und aufmerksamer geworden ist. Das stellen übrigens so ziemlich alle Schüler, die in Foren ihre Erfahrungen als ATS mitteilen, an sich selber fest - typisches ATS-Syndrom also. Die schlechten Erlebnisse bedrücken uns nun immer seltener und die positiven haben eindeutig die Oberhand gewonnen. Peter recherchiert bereits wie er seinen Zivildienst im Ausland absolvieren kann. Sein Selbstvertrauen ist gewachsen und hat sich außerdem irgendwie gewandelt. Ich würde sagen, es ist Sensibilität im Umgang mit Anderen dazugekommen.
Abschließend, mit etwas zeitlichen Abstand, betrachtet, war es gute Zeit und wir empfehlen jedem, der Interesse an einem Auslandsschuljahr hat, dies auch durchzuführen. Die gemeinsame Meisterung aller Probleme war ein sehr positives Erlebnis, es hat uns noch näher zusammen gebracht und die Familienbande ungeheuer gefestigt. Gerade also weil DFSR oberschlecht war, ist Peters Auslandschuljahr zu einem großen Erfolg für die ganze Familie geworden. In diesem Sinne wurden DFSR und SILC für uns ungefähr das, was Mefisto für Goethe's Faust war: "Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft." - Mephisto-Effekt.


Liste der externen Links

austauschschueler.de Ein moderiertes Forum zum Schüleraustausch
DFSR-Thread auf austauschschueler.de  
Bildungsministerium Frankreich Enthält u.a. die Ferienzeiten in Frankreich
Parlamentarische Patenschaftsprogramm des deutschen Bundestages Interessant. Gibt es meines Wissens leider nur für die USA.
Voltaire Programm, daß auf interfamiliären Austausch beruht -
Noch ein Link zum Voltaire-Programm das gibt es nun wieder nur für Frankreich
Wohnen in einem anderen Mitgliedstaat Seite der Europäischen Union
Stiftung Warentest Seiten zum Thema Auslandsschuljahr. Wurden vor kurzem neu gemacht, informativ und umfangreich
Spiegel Online Der Link führt auf die Gruselseite. Es gibt aber noch viel mehr Infos zum Thema, z.B. eine Orga-Suchmaschine
Aktion Bildungsinformation- Verbraucherschutz Hier sollte man mal vorbeugend draufschauen, manchmal gibt's Warnungen vor Anbietern, Infos zu Insolvenzen u.ä.
(Dieser Link kommt nicht im Text vor.)
Lycée "André Malraux" in Montereau "Unsere" Schule im Austauschjahr. Keine Eliteeinrichtung, aber sehr empfehlenswert. Wenn nur die Gegend schöner wäre...

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Viel Freude und Erfolg im Auslandsschuljahr wünscht Ihnen
Familie Faust aus Halle !